Die Umsetzung der Energiewende führt zwangsläufig zu einer stärker dezentralisierten leitungsgebundenen Energieversorgung mit Strom und Gas, die auch zunehmend in der Kundenanlage selbst stattfindet. Sie eröffnet damit den KMU weitere Chancen für die Wertschöpfung vor Ort.
Die KMU setzen sich auf lokaler und regionaler Ebene mit einer Vielzahl von Projekten für eine erfolgreiche Energiewende ein. Sie stehen im engen Dialog mit Bürgern und Gemeinden, um die besten Lösungen zu finden, damit Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltfreundlichkeit ausgewogen gewährleistet sind. Die KMU besitzen das Know-how, um die Systemintegration der häufig witterungs- und tageszeitabhängig produzierten Strommengen voranzutreiben. Die Sektorenkopplung über die Mobilität und über Wärmeanwendungen mit Strom und Gas, ist daher für die KMU ein wichtiger Ansatz. Durch ihre Bürgernähe leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Akzeptanz der Gesellschaft für die Notwendigkeit der Energiewende.
Die KMU der Energiewirtschaft sind leistungsfähige, effiziente und konkurrenzfähige Unternehmen, die die technischen und administrativen Anforderungen einer dezentralen und innovativen Energieversorgung voll erfüllen und deren Umsetzung vorantreiben. Horizontale und vertikale Kooperationen unterstützen sie bei der Bewältigung des zunehmend komplexer werdenden energiewirtschaftlichen Ordnungsrahmens.
Die in den letzten beiden Jahrzehnten durch die Informations-, Berichts- und Melde-pflichten sowie durch den Erfüllungsaufwand, der für die Umsetzung der zunehmend komplexen und inkohärenten Gesetzesvorgaben erforderlich ist, überbordend gewordene Bürokratie bedroht die Existenz der vielen kleinen und mittleren Versorgungsunternehmen und gefährdet damit die politisch unterstützte dezentrale Versorgungsstruktur. Einige kleine Energieversorger in Bayern haben ihren Geschäftsbetrieb bereits aufgegeben. Die Anzahl der energierechtlichen Gesetze und Verordnungen steigt kon-tinuierlich an. Insbesondere die Regulierung der Energienetze und die Umsetzung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verursachen einen nicht mehr vertretbaren administ-rativen Aufwand. Waren vor der Einführung von Liberalisierung und Regulierung noch 19 energierechtliche Paragrafen zu beachten, so sind es derzeit über 1.000, die den gesamten energiewirtschaftlichen Ordnungsrahmen bilden.
Der administrative Rahmen der Energieversorgung muss auch für die Kunden transparent und nachvollziehbar sein. Denn nur dann werden diese als Akteur gemeinsam mit den Versorgern die Energiewende mittragen und gestalten.
Die sich im Wettbewerb für KMU ergebenden Chancen dürfen nicht durch bürokrati-sche und komplexe Vorgaben zerstört werden.
Die KMU der Energiewirtschaft stehen zum Wettbewerb um den Kunden bei der Versorgung mit Strom und Gas.
Um dauerhaft wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können, brauchen die KMU faire Marktspielregeln. Der Staat sollte mit seiner Gesetzgebung keine Geschäftsmodelle unterstützen, die zur Entsolidarisierung unter den Kunden beitragen. Die KMU betrachten die Finanzierung der Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe, die von allen Schultern der Gesellschaft getragen werden muss. Daher sehen die KMU die zunehmende steuer-, netzentgelte-, abgaben- und umlagenfreie Stromeigenversorgung mit großer Sorge. Wer Strom selber produziert und dafür von der Gesellschaft gefördert wird, übernimmt für diese auch Verantwortung. Es kann bei der Eigenversorgung nicht ausschließlich um die Optimierung der eigenen Stromrechnung zu Lasten Dritter gehen.
Geschäftsmodelle wie die neu geschaffene Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung lehnen wir in dieser Form ab. Sie bedient sich selektiv an den Vorteilen der Photovoltaik und überlässt die Nachteile wie die sichere Belieferung und die Wahrung der Verbraucherschutzrechte den Grundversorgern. Die KMU im VBEW fordern ein Level-Playing-Field zwischen der Eigenversorgung und der Versorgung aus dem Netz.
Unabhängig davon findet die Wertschöpfung bei den Kunden zunehmend hinter dem Hausanschluss statt. Kommunalen Unternehmen wird zu Recht die Partizipation an diesen Geschäftsmodellen über die Bayerische Gemeindeordnung (BayGO) nicht mehr verweigert. Die nunmehr geänderte BayGO werden die KMU in Zusammenarbeit dem örtlichen Handwerk zunehmend nutzen, um nachhaltige Energieversorgungslösungen für ihre Kunden gleichermaßen aus einer Hand anzubieten.
Die KMU der Energiewirtschaft sehen in der Regulierung der Strom- und Gasnetze einen möglichen Weg, wie das natürliche Monopol „Netz“ für alle seine Netznutzer diskriminierungsfrei geöffnet werden kann.
Die Regulierung darf den Unternehmen aber nicht die Rendite verweigern, die für einen nachhaltigen Netzbetrieb unter den Investitionsbedingungen der Energiewende notwendig ist. Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Unternehmen dürfen nicht durch effizienzraubende Aufgaben (wie z. B. Durchführung der Entflechtung, Bewältigung der Regulierungsadministration, nicht systematischer Netzausbau durch EEG-Anlagen) konterkariert werden. Daher müssen Regulierungsbehörden und Netzbetreiber vertrauensvoll zusammenarbeiten, damit Praxisbezug und Augenmaß und nicht Bürokratie und Gängelei der Maßstab bei der Regulierung sind. Die neu hinzugewonnenen Entscheidungsbefugnisse der Bundesnetzagentur müssen von dieser verantwortungsbewusst für die Energiewirtschaft und für die Kunden genutzt werden. Hierzu ist auch weiterhin der Gesetzgeber gefordert.
Alle Akteure in der leitungsgebundenen Energieversorgung sind gleich zu behandeln. Es kann nicht sein, dass eine Kundenanlage zu einem Quasinetz mutiert und weiterhin frei von allen regulatorischen Pflichten, wie z. B. der Netzentgeltbestimmung bleibt.
Die KMU der Energiewirtschaft mit ihrer mittelständischen Organisation stehen zu ihrem regionalen Versorgungsauftrag. Sie gestalten die künftige Energieversorgung vor Ort. Sie sichern hochqualifizierte Arbeitsplätze für Akademiker, Handwerker und Kaufleute im eigenen Unternehmen wie in der Region. Damit stärken sie die Kaufkraft (häufig auch in strukturschwachen Gebieten), sorgen für Beschäftigung in anderen Branchen und tragen zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land bei.
Die KMU der Energiewirtschaft leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Energieversorgung. Kunden, lokale Wertschöpfung und Umwelt stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses. KMU-Anliegen müssen daher bei Politik, Behörden und Verbänden auf EU-, Bundes- und Landesebene einfließen, ernst genommen und umgesetzt werden.
Insbesondere getrieben durch die Energiewende sowie den Widerspruch zwischen Liberalisierung auf der einen Seite und den tiefgreifenden staatlichen Eingriffen mittels Mikromanagement auf der anderen Seite steht die Energieversorgung in Deutschland vor einer ihrer bislang größten Herausforderung. Die KMU der Energiewirtschaft en-gagieren sich für eine erfolgreiche Bewältigung der zu erledigenden Aufgaben. Wir fordern die Politik auf, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen insbesondere zur Finanzierung einer klimaneutralen Energieversorgung zu verbessern.