Energie

Energieversorgung mit erneuerbaren Energien in Bayern

1. Grundsatzposition

Die Energiewende in Bayern ist weit vorangeschritten. Bereits heute wird mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Damit ist eine solide Grundlage für den weiteren Umbau des Energiesystems gelegt – vor dem Hintergrund steigenden Strombedarfs, wachsender Elektrifizierung und zunehmender geopolitischer Unsicherheiten.

Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) bekennt sich klar zu den erneuerbaren Energien als tragender Säule der künftigen Energieversorgung. Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse leisten jeweils unterschiedliche, sich ergänzende Beiträge zu Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionaler Wertschöpfung. Ihr weiterer Ausbau ist notwendig, um Klimaziele zu erreichen, Energieimporte zu reduzieren und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Standorts Bayern zu sichern.

Gleichzeitig steht der VBEW für Realismus und Verlässlichkeit in der Energiepolitik. Der Erfolg der Energiewende bemisst sich nicht allein an installierter Leistung oder ambitionierten Zielzahlen, sondern an einem funktionierenden Gesamtsystem, das Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gleichermaßen gewährleistet. Erneuerbare Energien müssen daher konsequent systemisch gedacht und umgesetzt werden.

Ein zukunftsfähiges Energiesystem erfordert den synchronen Ausbau von Erzeugung, Netzen, Speichern, Flexibilitäten und Verbrauchsstrukturen. Technologische Einzellösungen oder isolierte Ausbaupfade führen nicht zum Ziel. Auch im Wärmesektor sind dabei integrierte, hocheffiziente Lösungen wie die Kraft‑Wärme‑Kopplung ein wesentlicher Baustein, um hohe Wirkungsgrade zu erreichen und die Sektorkopplung systemisch zu stärken. Entscheidend ist ein ausgewogener Energiemix, der die Stärken der einzelnen erneuerbaren Energieträger nutzt und ihre jeweiligen Schwächen ausgleicht.

2. Erneuerbare Energien in Bayern

Photovoltaik

Die Photovoltaik ist eine tragende Säule der erneuerbaren Stromerzeugung in Bayern. Sie ist flächendeckend verfügbar, schnell ausbaubar und nutzt eine heimische Ressource. Bereits heute liefert sie einen erheblichen Anteil des bayerischen Stroms und ist damit ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Photovoltaik zeichnet sich durch ihre hohe Skalierbarkeit und Flexibilität aus. Sie kann in Gewerbe und Industrie und auch auf Dächern, an Fassaden sowie auf geeigneten Freiflächen eingesetzt werden. Gerade diese dezentrale Struktur ermöglicht regionale Wertschöpfung, stärkt Kommunen und trägt zur Akzeptanz der Energiewende bei.

Gleichzeitig ist Photovoltaik eine fluktuierende Erzeugungsform. Ihre Einspeisung folgt dem Tages‑ und Jahresverlauf der Sonneneinstrahlung. Diese Eigenschaft ist jedoch planbar und systemisch nutzbar. In Kombination mit Speichern, steuerbaren Verbrauchern und sektorübergreifenden Anwendungen kann Photovoltaik gezielt zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

Für einen nachhaltigen Ausbau ist entscheidend, Photovoltaik von Beginn an system‑ und netzdienlich zu integrieren. Der Ausbau muss sich stärker an Netzkapazitäten, Systemkosten und Flexibilitätspotenzialen orientieren. So kann Photovoltaik ihre Stärken voll entfalten und dauerhaft zu einer sicheren, bezahlbaren und klimaneutralen Energieversorgung in Bayern beitragen.

Windkraft

Die Windenergie ist eine zentrale Säule der erneuerbaren Stromerzeugung und unverzichtbar für ein resilienteres Energiesystem. Sie leistet ganzjährig einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit, insbesondere in Zeiten geringer Solarstromerzeugung, und kann die Photovoltaik über Tages‑ und Jahreszeiten hinweg ideal ergänzen.

Ein besonderer Systemwert der Windenergie liegt in ihrer Erzeugungscharakteristik. Windstrom steht häufig nachts, bei bewölktem Wetter und im Winterhalbjahr zur Verfügung – also genau dann, wenn Photovoltaik naturgemäß weniger beiträgt. Damit ist die Windenergie für Bayern ein entscheidender Faktor, um eine sichere Stromversorgung auch in sonnenarmen Perioden zu gewährleisten.

Für Bayern kommt der Windenergie zudem eine netzstrategische Bedeutung zu. Ein stärkerer Ausbau der Windenergie an Verbrauchsschwerpunkten kann regionale Erzeugungslücken schließen, Transportbedarfe reduzieren und die Effizienz der vorhandenen Netzinfrastruktur erhöhen. Wind‑ und PV‑Strom nutzen im Zusammenspiel die verfügbaren Netzkapazitäten besser aus und können so Systemkosten begrenzen.

Ein zukunftsfähiger Ausbau der Windenergie erfordert daher geeignete Flächen, verlässliche Genehmigungsprozesse sowie eine konsequente System‑ und Netzdienlichkeit. Die Kopplung mit Speichern, hybriden Wind‑PV‑Anlagen und Power‑to‑X‑Anwendungen erhöht den systemischen Nutzen der Windenergie und erleichtert ihre Integration. Windenergie ist damit keine Ergänzung, sondern eine notwendige Grundvoraussetzung für ein ausgewogenes, stabiles und klimaneutrales Energiesystem in Bayern.

Auch in Bayern bestehen relevante Ausbaupotenziale für die Windenergie, die bei geeigneten Rahmenbedingungen – insbesondere im Hinblick auf Flächenverfügbarkeit und Genehmigungsprozesse – erschlossen werden können und einen zentralen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Systemstabilität leisten.

Wasserkraft

Die Wasserkraft ist ein zentraler Pfeiler der erneuerbaren Stromerzeugung in Bayern. Mit einem Anteil von rund einem Fünftel an der bayerischen Stromerzeugung leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Stabilität des Energiesystems. Als heimische, CO₂‑freie Energiequelle ist sie fest im bayerischen Strommix verankert.

Ein wesentliches Merkmal der Wasserkraft ist ihre kontinuierliche Verfügbarkeit und hohe Regelbarkeit. Im Unterschied zu fluktuierenden erneuerbaren Energien kann sie – je nach Anlagentyp – Grund‑ und Spitzenlast bereitstellen, Regelenergie liefern sowie kurzfristig auf Schwankungen im Stromsystem reagieren. Pumpspeicherkraftwerke sind darüber hinaus bis heute die etablierte großtechnische Speichertechnologie im Stromsystem.

Mit dem weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windenergie wächst die Bedeutung der Wasserkraft als stabilisierender Systemanker. Sie trägt dazu bei, den steigenden Regel‑ und Speicherbedarf auszugleichen, Netze zu stabilisieren und Versorgungssicherheit in einem zunehmend erneuerbaren Energiesystem zu gewährleisten. Viele Anlagen sind zudem im Verteilnetz angeschlossen und reduzieren dadurch Transportbedarfe und Netzverluste.

Darüber hinaus übernimmt die Wasserkraft besondere gesellschaftliche Zusatzfunktionen, die über die reine Stromerzeugung hinausgehen. Sie ist integraler Bestandteil der Gewässerbewirtschaftung, leistet Beiträge zum Hochwasserschutz, zur Grundwasserstabilisierung sowie zur regionalen Wertschöpfung. Diese Mehrfachnutzungen machen die Wasserkraft zu einem erneuerbaren Energieträger mit besonderem volkswirtschaftlichem Nutzen.

Für Bayern gilt daher: Die Wasserkraft ist keine ergänzende Randtechnologie, sondern ein zentraler Bestandteil eines sicheren, resilienten und klimaneutralen Energiesystems. Das Potenzial der Wasserkraft in Bayern liegt dabei vorrangig in der Sicherung und Modernisierung des bestehenden Anlagenbestands sowie in der gezielten Erschließung verbleibender Ausbau‑ und Effizienzpotenziale. 

Gleichzeitig zeigt sich im Zusammenspiel mit anderen Technologien, dass ein zukunftsfähiges Energiesystem nicht allein auf die Stromerzeugung fokussieren kann, sondern zunehmend auch die Wärmeversorgung integriert betrachtet werden muss – etwa durch sektorgekoppelte Lösungen, bei denen Strom und Wärme gemeinsam bereitgestellt werden.

Geothermie

Die Geothermie nimmt eine besondere Rolle in der nachhaltigen und klimaneutralen Wärmeversorgung in Bayern ein. Während PV- und Windenergieanlagen sowie Wasserkraftwerke der Stromversorgung dienen, liefert die Geothermie einen wichtigen Beitrag zur Wärmeversorgung. Bayern – insbesondere der Großraum München – ist deutschlandweit eine Vorreiterregion der Tiefengeothermie. Die dort realisierten Projekte zeigen, dass Geothermie in großem Maßstab zur klimafreundlichen Wärmeversorgung von Quartieren, Wohngebieten und Gewerbestandorten beitragen kann. Damit leistet sie einen entscheidenden Beitrag zur Reduktion fossiler Energieträger im Wärmesektor, der für das Erreichen der Klimaziele von zentraler Bedeutung ist.

Der bedeutendste Hebel der Geothermie liegt in der Wärmenutzung. Während ihr Potenzial zur Stromerzeugung aufgrund der geologischen Bedingungen begrenzt ist, bietet sie erhebliche Chancen für die Dekarbonisierung der Fern‑ und Nahwärmeversorgung. In Kombination mit Wärmenetzen, Wärmespeichern und weiteren erneuerbaren Wärmetechnologien kann Geothermie zu einer stabilen und langfristig bezahlbaren Wärmeversorgung beitragen.

Darüber hinaus ergänzt die oberflächennahe Geothermie bzw. Umweltwärme – etwa aus Luft, Boden oder Wasser – die Tiefengeothermie sinnvoll. Über Wärmepumpen erschließt sie ein breites Potenzial für Gebäude, Quartiere und die kommunale Wärmeplanung.

Biomasse

Biomasse leistet ebenfalls einen relevanten Beitrag zur erneuerbaren Energieversorgung – insbesondere durch ihre zuverlässige Verfügbarkeit und hohe Flexibilität. Sie ist saisonal speicherbar, bedarfsgerecht einsetzbar und kann sowohl im Strom‑ als auch im Wärmesektor gezielt zur Systemstabilität beitragen.

Gleichzeitig sind die energetischen Potenziale der Biomasse begrenzt. Die Flächenverfügbarkeit ist eingeschränkt, Nutzungskonflikte mit Nahrungs‑ und Futtermittelproduktion sowie mit dem Naturschutz sind zu berücksichtigen. Ein weiterer Ausbau der Biomasse ist daher nur in begrenztem Umfang möglich und sollte gezielt gesteuert werden.

Der besondere Wert der Biomasse liegt nicht in der flächendeckenden Grundlastversorgung, sondern im systemischen Einsatz dort, wo Flexibilität gefragt ist. Gerade für die Abdeckung von Lastspitzen, als Ergänzung zu fluktuierenden erneuerbaren Energien sowie im Wärmesektor kann Biomasse ihre Stärken ausspielen.

3. Herausforderungen und Handlungsbedarf für den Ausbau der Erneuerbaren

Netze und Speicher als Rückgrat des erneuerbaren Energiesystems

Ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien ist ohne leistungsfähige Strom‑, Gas‑ und Wärmenetze sowie Speicher nicht realisierbar. Mit dem wachsenden Anteil fluktuierender Erzeugung aus Photovoltaik und Wind steigen die Anforderungen an Transport, Ausgleich und Flexibilität im Energiesystem erheblich.

Netze sind dabei kein vor- und nachgelagerter Infrastrukturbaustein, sondern zentrale Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz der Energiewende. Der Ausbau der Übertragungs- und Verteilernetze muss daher synchron mit dem Ausbau erneuerbarer Energien erfolgen. Zugleich sind Netze effizienter zu nutzen – etwa durch regionale Erzeugung, Flexibilitäten und systemdienliche Anlagenkonzepte.

Speicher spielen eine Schlüsselrolle für den Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch über unterschiedliche Zeithorizonte. Kurz‑ und mittelfristige Speicher stabilisieren das System im Tagesverlauf, während langfristige Speicher – insbesondere auf Basis von Wasserstoff oder Biomethan – für die Absicherung in längeren Mangellagen erforderlich sind. Wasserkraft‑ und Pumpspeicherkraftwerke, Batterien sowie Power‑to‑X‑Lösungen müssen gezielt weiterentwickelt und in einen kohärenten Ordnungsrahmen eingebettet werden.

Sektorkopplung konsequent vorantreiben

Die Energiewende gelingt nur, wenn erneuerbare Energien in allen Verbrauchssektoren genutzt werden. Strom, Wärme, Verkehr und Industrie dürfen nicht getrennt betrachtet werden, sondern müssen systemisch miteinander verknüpft werden.

Elektrifizierung ist dabei der zentrale Hebel – etwa durch Wärmepumpen im Gebäudesektor, Elektromobilität im Verkehr und elektrische Prozesse in der Industrie. Wo direkte Elektrifizierung nicht möglich oder wirtschaftlich ist, kommen klimaneutrale Moleküle wie Wasserstoff, Biomethan und synthetische Energieträger zum Einsatz.

Eine besondere Rolle in einem sektorgekoppelten Energiesystem kommt der Kraft‑Wärme‑Kopplung (KWK) zu. Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme ermöglicht sie eine besonders effiziente Nutzung eingesetzter Energieträger und trägt damit zur Reduktion von Primärenergiebedarf und CO₂‑Emissionen bei. Moderne, flexible KWK‑Anlagen können dabei gezielt strom- und wärmegeführt betrieben werden und so zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. In Kombination mit Wärmespeichern und eingebunden in Wärmenetze leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Integration fluktuierender erneuerbarer Energien.

Sektorkopplung erhöht nicht nur den Einsatz erneuerbarer Energien, sondern schafft zusätzliche Flexibilität im Energiesystem. Steuerbare Lasten, Wärmespeicher und Power‑to‑X‑Anwendungen tragen dazu bei, Erzeugungsspitzen sinnvoll zu nutzen, Netze zu entlasten und Systemkosten zu senken. Voraussetzung dafür sind klare Marktsignale, einheitliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Ausrichtung an der System‑ und Netzdienlichkeit.

Bürokratie abbauen und Genehmigungsverfahren vereinfachen

Der erforderliche Ausbau der erneuerbaren Energien kann nur gelingen, wenn Planungs‑ und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Die bestehenden Anforderungen sind oft komplex, langwierig und binden erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen – sowohl bei Unternehmen als auch bei Behörden.

Überlange Verfahren, uneinheitliche Zuständigkeiten und hohe Klagerisiken verzögern Investitionen und gefährden das notwendige Ausbautempo. Bürokratieabbau ist daher kein Selbstzweck, sondern eine energiewirtschaftliche Notwendigkeit und ein zentraler Standortfaktor.

Genehmigungsprozesse müssen transparenter, paralleler, digitaler und stärker standardisiert werden. Gleichzeitig müssen die zuständigen Behörden ihre Personalausstattung an die vereinfachten Genehmigungsprozesse anpassen. Erneuerbare Energien und Netze sind zentrale Elemente der öffentlichen Daseinsvorsorge – diese Bedeutung sollte sich auch in Verfahren, Prioritäten und Abwägungen widerspiegeln.

Resilienz 

Die vergangenen Jahre verdeutlichen, dass Energieversorgung auch eine Frage von Krisenfestigkeit und Sicherheit ist. Klimawandel, geopolitische Spannungen und Extremwetterereignisse erhöhen die Anforderungen an ein stabiles Energiesystem.

Ein erneuerbares Energiesystem stärkt die Resilienz, wenn es dezentral, vielfältig und systemisch integriert ist. Ein ausgewogener Mix aus Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse reduziert Abhängigkeiten, verteilt Risiken und erhöht die Robustheit gegenüber Störungen.

Resilienz erfordert zudem leistungsfähige Netze, Speicher, gesicherte Leistung sowie die Fähigkeit zum Wiederaufbau von Netzen. Erneuerbare Energien müssen daher nicht nur klimafreundlich, sondern auch systemrelevant und verlässlich geplant und betrieben werden.